Mariano Barbacid: Was seine Krebsstudie wirklich zeigt

Lukas Hartmann
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Mariano Barbacid ist ein spanischer Biochemiker und Krebsforscher am nationalen Krebsforschungszentrum CNIO in Madrid. Sein Team untersucht unter anderem, wie sich Bauchspeicheldrüsenkrebs gezielt behandeln lässt. Eine viel beachtete Arbeit zur Kombination von drei Wirkstoffen betrifft jedoch Versuche an Mäusen. Sie belegt keine Heilung von Menschen.

Einordnung, Stand 8. September 2026: Die frühere Fassung der Studie wurde wegen eines nicht offengelegten Interessenkonflikts zurückgezogen. Im Juni 2026 erschien eine neue Veröffentlichung. Beide Schritte gehören zur Geschichte dieser Forschung.

Hat Mariano Barbacid Bauchspeicheldrüsenkrebs geheilt?

Für Menschen lässt sich das aus dieser Studie nicht ableiten. Das Team berichtet über einen starken und anhaltenden Rückgang experimenteller Tumoren in Mausmodellen. Untersucht wurde das duktale Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse, eine bestimmte Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Das Ergebnis ist wissenschaftlich interessant, weil Tumoren gegen einzelne Wirkstoffe widerstandsfähig werden können. Doch ein erfolgreich behandeltes Versuchstier beantwortet noch nicht, welche Dosis bei Menschen wirksam und verträglich wäre. Auch die Frage nach einem längeren Überleben von Patientinnen und Patienten bleibt damit offen.

Was wurde kombiniert – und warum?

Die experimentelle Kombination bestand aus Daraxonrasib, Afatinib und SD36. Sie greift an mehreren Stellen in ein Netz von Signalen ein, das für das Wachstum der untersuchten Krebszellen wichtig ist. Das Ziel ist, Ausweichwege des Tumors zu begrenzen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei KRAS. Bestimmte Veränderungen dieses Gens können das Zellwachstum dauerhaft antreiben. Barbacids frühere Forschungsarbeiten zu solchen Signalwegen werden im deutschsprachigen Bericht über das EU-Projekt THERACAN erläutert. Dieser Bericht beschreibt einen früheren Forschungsstand; er ist kein Nachweis für eine Behandlung von Menschen mit der neuen Dreifachkombination.

Die Veröffentlichung hat eine Vorgeschichte

Zeitpunkt Was geschah?
29. Januar 2026 Das CNIO stellte die Ergebnisse der zunächst veröffentlichten Arbeit öffentlich vor.
27. April 2026 Die Herausgeber von PNAS zogen die frühere Fassung wegen eines relevanten, nicht erklärten Interessenkonflikts zurück.
Juni 2026 Die Arbeit erschien erneut in PNAS. Das CNIO berichtete darüber am 2. Juni und benannte dabei ausdrücklich auch den Rückzug.

Der aktuelle Fachartikel trägt die Kennung DOI 10.1073/pnas.2610708123. Nach der Mitteilung des CNIO steht die Dreifachtherapie weiterhin vor dem Schritt in klinische Prüfungen. Eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift ist keine Arzneimittelzulassung.

Für die Bewertung sind zwei Fragen zu trennen: Wurden finanzielle Interessen korrekt offengelegt? Und was tragen die Versuche tatsächlich zur medizinischen Erkenntnis bei? Die neue Veröffentlichung macht die Ergebnisse nicht automatisch auf Menschen übertragbar. Umgekehrt sollte der angegebene Grund für den früheren Rückzug nicht ohne Beleg in eine Behauptung über gefälschte Daten umgedeutet werden.

Wer ist der Forscher hinter der Schlagzeile?

Mariano Barbacid wurde 1949 in Madrid geboren. Er promovierte 1974 an der Universität Complutense und forschte anschließend am National Cancer Institute in den USA. Ab 1978 leitete er dort eine eigene Forschungsgruppe.

1982 gehörte er zu den Forschern, deren Arbeiten zur Entdeckung eines menschlichen Onkogens und einer krebsbezogenen Mutation beitrugen. Ein Onkogen ist vereinfacht ein Gen, das in einer bestimmten veränderten oder überaktiven Form Krebs fördern kann. Barbacids Laufbahn ist damit eng mit der Frage verbunden, wie Veränderungen in Zellen Tumoren entstehen lassen.

Was vor einer Anwendung bei Menschen noch geprüft werden muss

Der Krebsinformationsdienst erklärt die unterschiedlichen Aufgaben klinischer Studien: Frühe Phasen untersuchen vor allem Verträglichkeit, Dosierung und erste Wirksamkeit. Spätere Untersuchungen prüfen den Nutzen genauer und vergleichen Behandlungen.

Auch die Deutsche Krebshilfe unterscheidet zwischen Versuchen im Labor, Arzneimittelprüfungen am Menschen und Studien zur Verbesserung bestehender Behandlungen. Diese Unterscheidung ist bei jeder Meldung über neue Krebsmedikamente hilfreich.

Für Betroffene folgt aus der beschriebenen Mausstudie keine Anleitung, Wirkstoffe selbst zu kombinieren oder eine laufende Therapie zu verändern. Fragen zu passenden Studien gehören in das Gespräch mit dem behandelnden onkologischen Team.

Fünf kurze Antworten zur Einordnung

  • Ist Barbacid ein Krebsforscher? Ja, er arbeitet am CNIO in Madrid.
  • Wurde die Kombination an Menschen als wirksam bewiesen? Das zeigt die hier beschriebene Arbeit nicht.
  • Warum drei Wirkstoffe? Sie sollen mehrere miteinander verbundene Angriffspunkte gleichzeitig treffen.
  • Wurde eine Fassung zurückgezogen? Ja, wegen eines nicht erklärten Interessenkonflikts. Im Juni 2026 erschien eine neue Veröffentlichung.
  • Was wäre der nächste wichtige Beleg? Sorgfältig geplante klinische Untersuchungen mit überprüfbaren Ergebnissen zu Sicherheit und Nutzen.

Weitere Porträts bei Glanza: Einen Einblick in einen ganz anderen öffentlichen Beruf gibt unser Artikel über die Moderatorin Julia Menger.

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Katharina Seidel ist ein virtuelles Autorenprofil und redaktionelles Pseudonym von Newzkurier. Die Beiträge widmen sich Persönlichkeiten aus Unterhaltung, Fernsehen und Sport. Besonders interessiert dabei die Arbeit hinter öffentlichen Auftritten: Training, kreative Projekte und die Schritte, aus denen eine Karriere entsteht. Ziel sind zugängliche Porträts, die berufliche Leistungen erklären und persönliche Grenzen respektieren. Das Profil steht für ein digitales Publikationsformat; eine persönliche Ausbildung oder Berufserfahrung wird damit nicht behauptet.